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Offener Brief an Bündnis 90/Die Grünen im Landtag Baden-Württemberg – Für mehr Akzeptanz und gleiche Rechte in Baden-Württemberg

 

Sehr geehrte Frau Brigitte Lösch,
sehr geehrte Parteifreunde von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag Baden-Württemberg,

wir finden es sehr schade, dass Sie, Frau Lösch, als Queerpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag Baden-Württemberg, sich unsere Antwort auf ihr Schreiben vom 19.12.2019 mit dem Betreff “Doppelhaushalt 2020/21: Für mehr Akzeptanz und gleiche Rechte in Baden-Württemberg” offenbar nicht zu Herzen genommen haben.

In unserer damaligen Antwort schrieben wir, dass in ihrem Schreiben und im Aktionsplan zwar ständig von LSBTTIQ* die Rede war, im gleichen Atemzug aber immer nur die Schwulen- und Lesbenverbände davon profitieren. Auch war in ihrem Schreiben immer nur von sexueller Orientierung und sexueller Vielfalt die Rede, sowie von Homosexualität und Schwulen und Lesben, jedoch so gut wie kein Wort von den anderen Minderheiten dieser Community von der Sie so gerne sprechen. LSBTTIQ besteht aus mehr Buchstaben, als nur die ersten zwei oder drei.

Die beiden großen T stehen zum Beispiel für Transgender und Transsexualität. Diese, ebenfalls wichtige Gruppe an Wählerinnen und Wählern wird immer wieder vergessen, sowohl was Ankündigungen, Wahlversprechen oder auch Förderungen angeht.

Heute erhielten wir Ihre Email mit dem Betreff “Einladung zum Fachgespräch Umsetzung der Leitperspektive „Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“ im Unterricht”. Und siehe da, auch hier wieder nur die Rede von sexueller Orientierung und sexueller Vielfalt.

Wenn es in Ihrem Aktionsplan und in ihrer Einladung von Heute nur um schwule oder lesbische Jugendliche geht, dann sprechen Sie doch bitte auch nur von LS* und nicht von LSBTTIQ*.

Oder – und das wäre deutlich wünschenswerter – Sie beziehen die anderen Gruppierungen mit ein und sorgen sich endlich mal um die, die es wirklich nötig haben!

Gerne kann ich Ihnen da auch ein wenig auf die Sprünge helfen und Vorschläge machen:

  • Abschaffung des Transsexuellengesetz und Anpassung von § 45b PStG in Hinblick auf Transsexuelle Menschen, um Fremdbestimmung und Zwangsbegutachtung zu unterbinden!
  • Abschaffung der Gatekeeper (Psychologische oder Psychiatrische Begutachtung) für die, für transsexuelle Menschen, lebensnotwendigen medizinischen Maßnahmen
  • Verbot von Konversionstherapien zur „Heilung“ von Transsexualität
  • Adoptionsrecht und Abstammungsrecht modernisieren hinsichtlich transsexuellen Eltern und dem Geschlechtseintrag in Geburtsurkunden der Kinder.
  • Erweiterter Diskriminierungsschutz für transsexuelle Menschen.
  • Bundesweiten Aktionsplan gegen Transphobie auflegen
  • Förderung der Beiträge von Trans* Selbsthilfeinitiativen und Trans* Vereinigungen zur Gesundheit, dem beratungsangebot und zur Kultur
  • Ehrenamtliche Strukturen und Selbsthilfe fördern – ideell wie finanziell
  • Adäquate Räume für die Arbeit/Vernetzung der Community schaffen
  • Entschuldigung und Entschädigung von transsexuellen Menschen, die aufgrund des Transsexuellengesetzes bis 2011 zwangsterilisiert wurden.

Ich darf Sie daran erinnern, liebe Frau Lösch, dass sogar die FDP, in persona Jens Brandenburg, sich zur Zeit redlich bemüht die Forderungen der Transsexuellen Community durchzusetzen. Zuletzt mit einem neuen Gesetzesentwurf, der das Transsexuellengesetz ersetzen sollte und für Selbstbestimmung sorgen sollte.

Leider war auch das nur halb zu Ende gedacht, da ein weiteres gesondertes und spezielles Gesetz wieder nur unserer Stigmatisierung und unserer Ausgrenzung noch mehr Nahrung geben würde. Sondergesetze sind für Sonder(bare) Menschen. Es ist alles da, was wir brauchen. Zum Beispiel anhand des Paragraphen § 45 b Personenstandsgesetz.

Vielleicht sollten Sie sich einmal mit Tessa Ganserer, der ersten transsexuellen Frau in einem deutschen Landtag, von Bündnis 90/Die Grünen im Bayrischen Landtag, zusammen setzen. Denn Frau Ganserer bewegt dort in Bayern einiges mehr, als Sie es hier in Baden-Württemberg tun.

Bitte, liebe Frau Lösch, lassen Sie das große T* nicht ständig unter den Tisch fallen. Auch wir sind es wert gehört zu werden und haben mindestens genau so viele Forderungen (und Rechte), wie alle Anderen auch!

 

Gez. Christin Löhner

1. Vorsitzende der Vereinigung von Menschen mit Variante der Geschlechtsentwicklung e.V.
Landesvorsitzende Baden-Württemberg der Allianz für Menschenrechte, Tier- und Naturschutz

 

 

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