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Aktivisten und die Medien – Narzisstisch, Selbstverliebt oder doch nur Helfersyndrom?

Ein Beitrag von Christin Löhner

Und da war es wieder… dieses Unverständnis, dieses Kopfschütteln, dieses beschuldigen als Narzisst oder als Selbstverliebt.

Unser liebes Truckerbabe Alexandra aus Kassel war am 20. Januar 2020 auf Sat.1 zu sehen. Sie wurde interviewt zu ihrem Leben als Frau mit Variante der Geschlechtsentwicklung, als Frau mit Transsexualität. Und sie hat ihre Arbeit sehr, sehr gut gemacht! Auch ihre Frau Kerstin war zu sehen, wurde interviewt und erzählte wie es ist, als (Cis-) Frau mit einer Frau mit Transsexualität zusammen zu leben, wie stabil ihre Beziehung trotzdem ist und wie glücklich die beiden sind.

Sat.1 – Die Akte – DIE TRANS-TRUCKERIN: VON ACHIM ZU ALEXANDRA

Auf Facebook hingegen, gab es zum Einen von selbst betroffenen Menschen großes, verständnisloses Kopfschütteln und die Frage: “Warum tust Du das???”, zum Anderen wurde Alexandra sogar für 24 Stunden von Facebook blockiert, weil irgend jemand meinte, sie aufgrund dieses Videos melden zu müssen. Wie Facebook dann allerdings darauf kommt, tatsächlich einen Bruch ihrer Gemeinschaftsstandards darin zu sehen und Alexandra tatsächlich für dieses Video zu sperren, ist mir völlig schleierhaft.

Auch als ich von Regio TV für das Format Heldenländle interviewt wurde und die daraus resultierende zweiteilige Dokumentation ausgestrahlt wurde, bekam ich sehr viel Unverständnis dafür, sehr viel Anschuldigungen, ich sei narzisstisch oder selbstverliebt und wolle mich nur profilieren.

Regio TV – Heldenländle – Die Geschichte einer Transfrau – Nennt mich Christin

Teil 1:

Teil 2:

Es gibt unzählige Fernsehdokumentationen, Youtubebeiträge und mehr, in denen Menschen mit Variante der Geschlechtsentwicklung (Transsexualität) von sich erzählen, von ihren OPs oder von ihren Schwierigkeiten im Alltag. 

Doch all diese Dokumentationen im Fernsehen, auf Youtube, in den Zeitungen und anderen Medien, stoßen ständig nur auf Unverständnis seitens der Community um die es hier geht, seitens der selbst Betroffenen. Uns wird vorgeworfen, uns nur profilieren zu wollen, uns wird Narzissmus nachgesagt oder Selbstverliebtheit. Uns wird Mediengeilheit vorgeworfen oder noch viel Schlimmeres. Sehr viele, leider viel zu viele, schütteln nur verständnislos den Kopf.

Die Problematik der falschen Begriffe und Formulierungen, die seitens der Medien oftmals dann auch benutzt werden, tut dann noch sein Übriges und jeder Zeitungsartikel, jeder Fernsehbericht wird von der Community akribisch seziert und jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt. Jeder Bericht wird regelrecht in der Luft zerrissen und der oder die Protagonist*in gleich mit.

Aber warum tun wir das eigentlich? Warum verstehen gerade selbst Betroffene nicht, warum wir das machen?

Das völlig Wahnwitzige ist: Die selbst betroffenen Personen, um die es in diesen Dokumentationen und Medienberichten geht und denen diese Berichte ja helfen sollen, für die diese Berichte für mehr Akzeptanz und Toleranz werben sollen, genau die beschweren sich und verstehen diese Präsenz in den Medien nicht, beleidigen uns oder zerreissen uns in der Luft.

Die Personen aber die wir aufklären wollen, nämlich all die, die mit dem Thema sonst nichts zu tun haben weil sie Cis* sind und auch sonst keine Ahnung von diesem Thema haben, die sprechen uns ausnahmslos ihren Respekt zu und ihr Verständnis für unser Thema und unsere Situation. Bei genau diesen Personen kommt die Aufklärung an und diese Personen lernen uns zu verstehen, was sie uns auch jedes Mal bestätigen und sagen, in dem sie sich bei uns bedanken.

Und genau darum geht es uns!

Wir wollen uns nicht profilieren vor anderen betroffenen Personen oder vor der Community! Wir wollen uns nicht hinstellen und sagen: “Ha, schaut her, ich war im Fernsehen und Du nicht, Ätsch!”.

Wir wollen die Personen aufklären, die es nötig haben und so unsere Situation auf lange Sicht verbessern! Denn auch Kleinvieh macht Mist und steter Tropfen hölt nun mal den Stein!

Aktivismus

Ein*e Aktivist*in zu sein und für unsere Rechte zu kämpfen und für mehr Akzeptanz und Verständnis für uns einzustehen funktioniert NICHT, indem wir einfach von unserem Sofa aufstehen, den Arm heben und leise sagen: “Ja, ich kämpfe jetzt für unsere Sache.”

Ein*e Aktivist*in zu sein und für unsere Rechte zu kämpfen und für mehr Akzeptanz und Verständnis für uns einzustehen funktioniert NUR, wenn wir auch raus gehen und dabei ganz laut schreien, auf uns aufmerksam machen, uns hin stellen und uns von niemandem von unserem Vorhaben abbringen lassen!

Die Community streitet sich selbst über die Begriffe und kommt deshalb aus diesen Streitigkeiten auch nicht hinaus! Es braucht Menschen, die über diese Begriffsstreitigkeiten hinweg sehen und endlich aktiv werden! Und um ganz ehrlich zu sein: Es geht um Aufmerksamkeit und unsere Rechte, um Akzeptanz! Und nicht darum, ob nun der eine oder der andere Begriff richtig ist.

Sicher gibt es falsche Begriffe! Zum Beispiel “Geschlechtsumwandlung”. Aber mein Gott… wenn eine Zeitung nun doch halt mal “Geschlechtsumwandlung” schreibt, dann ist das eben so! Natürlich kann man dann Leserbriefe schreiben und darauf hinweisen. Aber das wirklich Wichtige ist doch, dass dieses Thema überhaupt in der Zeitung uder in anderen Medien ist und wir so sichtbarer werden!

Sat.1 hat den Beitrag mit Alexandra wie folgt angekündigt: “DIE TRANS-TRUCKERIN: VON ACHIM ZU ALEXANDRA”

Ja mein Gott! Dann ist es eben so! Alexandra hat kein Problem damit, ihren vorherigen Namen zu nennen und sie ist nun mal eine Truckerin mit Variante der Geschlechtsentwicklung, also mit Transsexualität, eine Trans-Truckerin!

Das wirklich Wichtige ist doch der Inhalt des Beitrags. Das was Alexandra zu sagen hat. Das wie Alexandra von ihren Gefühlen und von ihren Problemen erzählt! Das wirklich Wichtige ist doch, DAS SIE ES ERZÄHLT!

Unten seht ihr noch mehr Beispiele von Fernseh- oder Youtubebeiträgen. Einer davon wurde in Fokus TV ausgestrahlt. Der Titel war: “Erst Mann, jetzt Frau: Transgender und ihr steiniger Weg”. “Erst Mann, jetzt Frau”??? Ohh, ihr alle werdet nun empört aufschreien, oder? Ihr werdet nun die Arme und Hände gen Himmel strecken und diesen Sender für diesen Titel verfluchen!

Aber hey, die Frau dort in dem Video klärt auf! Die Frau erzählt von sich! Die Frau teilt ihre Gefühle mit so vielen Menschen und sorgt damit für mehr Toleranz und Akzeptanz! Die Frau sorgt mit diesem Beitrag dafür, dass wieder ein paar zig-Tausend Menschen dieses Thema gesehen haben, das wir sichtbar waren und das die Menschen uns etwas besser verstehen lernen!

Und genau das ist der Punkt!

Hört auf Euch über uns Aktivist*innen zu beschweren! Hört auf uns Narzissmuzs vorzuwerfen! Hört auf uns zu beschuldigen und zu beleidigen, nur weil wir halt aktiver sind als ihr! Hört auf, uns in der Luft zu zerreissen! Und hört auf, über uns Eure Köpfe zu schütteln!

Denn wir tun das für Euch! Für Euch und für uns! Damit es uns in der Zukunft besser geht! Damit die Leute unsere Gefühlswelt verstehen lernen! Damit die Menschen uns verstehen lernen!

Danke, Alexandra! Danke Marie! Danke an alle Aktivist*innen, die sich in die Öffentlichkeit begeben und für uns einstehen! Danke an all die betroffenen Menschen, die mit ihren Berichten öffentlich im Fernsehen oder in Zeitungen für mehr Akzeptanz und Verständnis sorgen!

DANKE!

 

 

Weitere Beispiele:

 

Fokus TV – Die Reportage

Erst Mann, jetzt Frau: Transgender und ihr steiniger Weg

Youtube – Die Frage

Mein Leben als Transmann | Wie ist es trans* zu sein?

 

 

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. Transsexualität Transidentität Transgender Transsexuell Transident Trans Transe Transen Transfrau Transmann Radolfzell Bodensee Hegau Villingen-Schwenningen Homberg Luzern Fulda Weingarten Ravensburg Baden-Württemberg

 

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2 Replies to “Aktivisten und die Medien – Narzisstisch, Selbstverliebt oder doch nur Helfersyndrom?”

  1. Natürlich ist es gut, wenn Menschen sichtbar sind und Medien dazu beitragen, Vorurteile abzubauen. Aber noch besser fände ich es, wenn das, was an Medienguides erarbeitet wurde (insbesondere finde ich den von Lena Balk sehr informativ) auch denjenigen vermittelt wird, die mit Medien zu tun haben. Man kann ja manchmal im Vorfeld einer Berichterstattung auch auf das Wording eingehen und Medienvertreter sind durchaus auch bereit, das eine oder andere zu ändern. Insofern fände ich es schon gut, wenn man sich ein wenig Gedanken macht, wie man das, was einem wichtig ist, angemessen zur Sprache bringt. Klar: Das ist auch ein Lernprozess – aber wenn ein Verein sich umbenennt und bessere Begriffe verwendet (VSD statt trans*), dann können das Betroffene ja auch…

    1. Liebe Doro! Da bin ich absolut und ganz bei Dir! Der Medienleitfaden von Lena Balk ist sehr, sehr gut und ich gebe sowohl diesen, als auch meinen eigenen immer an die Medien, Jounalisten, Interview Partner weiter, immer mit der Bitte, sich daran zu halten. Leider bringt das offensichtlich manchmal nicht viel. Deshalb lasse ich mir Berichte und Artikel immer vorher noch einmal zuschicken, bevor sie veröffentlicht wird. Selbst dann halten sich die Medien leider manchmal nicht an meine Korrekturen. So ist das leider. Aber da muss man eben hartnäckig bleiben. LG Christin

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