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Die Operationsmethoden bei geschlechtsangleichender Operation (GaOP) Mann zu Frau

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Aktuell gibt es mehrere Operationsmethoden bei Mann zu Frau geschlechtsangleichenden Operationen (GaOP). Wir erklären dir welche es gibt und wo die Unterschiede liegen.
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Die kleine oder die große Lösung

Bevor du dich entscheidest, welche Operationsmethode du haben möchtest, solltest du dir zunächst erst einmal darüber im Klaren sein, ob du eine kleine oder eine große Lösung haben willst.

Der Unterschied ist der, dass bei einer großen Lösung neben der außen sichtbaren Vulva auch ein Scheidengang von – je nach Menge und Länge des vorhandenen Materials und auch je nach Methode – rund 10 bis 20 Zentimeter Tiefe zwischen Enddarm und Blase angelegt wird. Dies ist recht risikobehaftet, da der Darm sehr empfindlich ist und man dort Millimetergenau arbeiten muss.

Bei der kleinen Lösung wird der Scheidengang nur angedeutet und nicht tiefer als zwei Zentimeter angelegt. Außerdem steht bei der kleinen Lösung deutlich mehr Material zur Verfügung um eine optisch wirklich schöne und detailgetreue Vulva mit äußeren, inneren Schamlippen, und Klitorishäutchen anzulegen.

Zudem muss man bei der großen Lösung, also bei einem tiefen Scheidengang, diesen auch dehnen und weiten. Es ist also bei der großen Lösung notwendig, regelmäßig zu bougieren. Neben dem Dehnen und weiten, also dem Bougieren, ist auch die Pflege und die Hygiene deiner Vagina und vor allem des Inneren des Scheidengangs sehr wichtig.

Möchtest du irgendwann auch einmal vaginalen Sex mit einem Mann haben, so bleibt dir nichts anderes übrig, als dich für die große Lösung zu entscheiden.

Die folgenden Methoden beziehen sich natürlich nur auf die große Lösung. Bei der kleinen Lösung ist immer genug Material vorhanden um optisch ein ausreichend ästhetisches Ergebnis zu bekommen.

Die einfache PI – Penile Inversion oder auch Penisinvaginations-Methode

Seit den 1950er Jahren ist die Penile Inversion (PI) oder auch Penisinvaginations-Methode die Standard-Methode um eine Vaginoplastik, eine Neovagina bei Mann-zu-Frau-Transsexuellen zu bilden. Sie ist somit die wohl am weitesten verbreitete und auch die am häufigsten benutzte Methode. Gleichzeitig ist es aber auch die einfachste Methode mit den wenigsten Risiken und auch dem am wenigsten authentischen Ergebnis.

Bei der PI werden zunächst die Hoden entfernt. Dann wird die Penisschafthaut der Länge nach aufgetrennt, die Schwellkörper werden entfernt und die Harnröhre wird vom Nervenstrang der Eichel separiert.

Die Eichel wird aufgeschnitten und Material wird aus der Eichel entnommen, um sie dann in kleinerer, einer Klitoris ähnlichen Form wieder zusammen zu nähen.

Am Penisansatz wird dann ein Hohlraum zwischen Enddarm und Blase gebildet, in den die Penisschafthaut eingelegt und festgenäht wird. Die Neoklitoris (ehemals Eichel) wird, zusammen mit der gekürzten Harnröhre, oberhalt des Scheideneingangs an anatomisch korrekter Stelle platziert und angenäht.

Mit der übrigen Hodensackhaut und eventuell noch restlicher Vorhaut werden dann die Schamlippen und das Klitorishäutchen angelegt.

Vorteile

Die Vorteile liegen auf der Hand:

Diese Methode ist, nach der kleinen Lösung, die schonendste und einfachste Methode, die aber trotz der Einfachheit, die Möglichkeit gibt, mit einem Mann Sex haben zu können.

Zudem ist es die Methode, die am gängigsten und am häufigsten angewandt wurde und wird. Die Erfahrung ist hier entsprechend hoch und die Risiken sind natürlich durchaus vorhanden, aber minimiert.

Die Orgasmusfähigkeit liegt im Durchschnitt bei rund 80%. Wobei man natürlich beachten muss, dass psychische Blockaden einen Orgasmus verhindern können. Die Orgasmusfähigkeit bezieht sich also nur auf die körperliche Möglichkeit, die Funktionsfähigkeit, aufgrund der Empfindlichkeit und der Möglichkeit der sexuellen Erregung.

Die Heilung ist bei dieser Methode vergleichsweise schnell und komplikationslos.

Nachteile

Trotzdem gibt es natürlich auch einige Nachteile, die die Entscheidung gegen diese Methode hier sicher beeinflussen.

So hängt bei der PI die Scheidentiefe direkt davon ab, wie viel Penisschafthaut vorhanden ist. Ist durch die Hormonersatztherapie der Penis bereits sehr geschrumpft, so kann zu wenig Material vorhanden sein um eine ausreichende Tiefe zu gewährleisten. Im Durchschnitt kann mit der PI eine Scheidentiefe von 10 bis 15cm erreicht werden.

Da bei dieser Methode in keinster Weise auf die verschiedenen Gewebearten eingegangen wird, ist das optische Ergebnis bei einer PI oftmals nicht unbedingt zufriedenstellend.

Außerdem ist bei der PI ein intensiveres Bougieren in kürzen Zeitabständen und von insgesamt längerer Dauer notwendig, da sich die Narben im Scheidengang zusammenziehen und sich das Gebilde schneller zusammen zieht.

Zudem kann die mangelnde Feuchte im Scheidengang künstliches Gleitmittel notwendig machen.

Fazit

Trotz der Einfachheit und der Nachteile dieser Methode gibt es viele geschlechtsvariante Frauen, die hoch zufrieden mit ihrem Ergebnis sind. Ein guter und erfahrener Chirurg kann mit dieser Methode schon eine echt gute Arbeit leisten und ein tolles Ergebnis erzielen.

Die Kombinierte Methode

Die kombinierte Methode (KM) ist der Penilen Inversion (PI) ganz ähnlich, bis auf drei kleine, aber sehr wichtige Unterschiede, die ein wirklich ästhetisches und funktionales Ergebnis ausmachen:

Bei der KM wird die Klitoris ebenfalls aus der Eichel und den dazugehörigen Gefäßen und Nerven des Penisschafts gebildet. Im Gegensatz zur Penilen Inversion wird jedoch das innere Blatt der Vorhaut an der Eichel belassen und daraus, zusammen mit der Penisschafthaut die Klitoris, das Klitorishäutchen und die kleinen Schamlippen geformt.

Für das Anlegen des Scheidengangs wird die restliche Penisschafthaut und die, ansonsten überflüssige Hodensackhaut verwendet. Außerdem wird der Scheidengang mit der, der Länge nach geöffneten Harnröhre ausgekleidet. Es wird bis auf die eigentlichen Hoden und die großen Schwellkörper am Penisschaft, sämtliches Material verwendet, was bei der PI nicht der Fall ist.

Das vollständige Gewebe und alle Nerven werden bei der kombinierten Methode geschont und mikrochirurgisch aufbereitet, um eine optimale Empfindlichkeit der gesamten Vulva zu erreichen. Die, den Scheidengang auskleidende Harnröhre ermöglicht hierbei außerdem eine gewisse Scheidenfeuchtigkeit bei sexueller Erregung. Im Gegensatz zur Penilen Inversion kann bei der kombinierten Methode auch bei einem geschrumpften oder weniger groß gewachsenen Penis eine ausreichende Tiefe des Scheidengangs erreicht werden.

Sehr vereinfachtes, 3D animiertes Video über die kombinierte Methode
Vorteile

Neben all den Vorteilen einer Penilen Inversion (PI) hat die kombinierte Methode zusätzlich die folgenden Vorteile:

Da der Scheidengang mit einem großen Teil der Harnröhre ausgekleidet wird, besteht im Scheidengang eine gewisse Grundfeuchte. Zudem wird die Scheide bei Penetration feucht und auf Gleitmittel kann meistens verzichtet werden.

Außerdem werden die verschiedenen Gewebearten für die jeweils naheliegensten Zwecke – Das Eichelbändchen z.B. für das Klitorishäutchen – benutzt, wodurch eine authentischere Optik und Haptik möglich wird. Die Vulva mit dem Klitorishäutchen, den kleinen, inneren Schamlippen und der unterschiedkchen Färbung der Gewebearten, sieht einfach authentischer aus und auch Berührungen und Gefühle wirken authentischer, echter.

Die Neovagina ist im Inneren, im Scheidengang größtenteils sensibel und empfindlich bei Penetration.

Nachteile

Da bei dieser Methode zum großen Teil auch Hodensackhaut verwendet wird um den Scheidengang auszukleiden, kann die mögliche Schrumpfung, das mögliche Zusammenziehen des Gewebes sehr groß sein. Bei dieser Methode ist wirklich akribisches und intensives bougieren und dilatieren notwendig.

Fazit

Ist man gewillt das sehr intensive, akribische, teilweise auch schmerzhafte und monatelange Dilatieren und Bougieren durchzuhalten, kann mit der kombinierten Methode ein sehr schönes und authentisches Ergebnis erzielt werden. Nach sechs bis acht Monaten ist aber das Schlimmste überstanden und man kann das tolle Ergebnis geniessen.

Die Chonburi-Flap Methode (Thailand, Suporn)

Bei der Thailändischen Chonburi-Flap Methode wird die Eichel in zwei Teile aufgeteilt. Ein Teil wird verkleinert und als Klitoris eingesetzt und der andere Teil wird als sogenanntes Chonburi-Organ zwischen Klitors und Harnröhrenausgang angebracht.

Außerdem wird bei der, auch Suporn-Technik genannten Methode die Schamlippen aus der Penisschafthaut gebildet. In Deutschland werden diese aus der Hodensackhaut gebildet.

In Thailand kleidet man zudem den Scheidengang mit einem freien Transplantat der Hodensackhaut aus, die vorher gemesht, also maschinell zu einer Art Netz behandelt wurde, um die Oberfläche zu vergrößern. In München verwendet man dagegen gestieltes Harnröhrengewebe, gestielte Penishaut sowie ein freies, aber nicht gemeshtes Skrotalhauttransplantat.

Vorteile

Das Chonburi-Organ, also der zusätzliche Teil der Eichel zwischen Klitoris und Harnröhre, wird beim Geschlechtsverkehr penetrant mit stimuliert, wodurch ein deutlich intensiveres, sexuelles Erlebnis möglich wird.

Nachteile

Durch die gemeshte Hodensackhaut im Scheidengang, zieht sich dieser extrem zusammen, wenn man ihn nicht ständig dehnt. Hier ist also auch sehr intensives und akribisches bougieren und dilatieren notwendig.

Die Chonburi-Flap Methode wird zur Zeit nur in Thailand, bei Dr. Suporn angewandt. Die Operation in Thailand wird nicht von den Krankenkassen übernommen.

Fazit und Zusammenfassung

Christin Löhner, die Vorsitzende unseres Vereins, hatte im Januar 2018 ihre Operation bei Dr. Markovsky in München-Bogenhausen. Bei ihr wurde die einfache Penile Inversion angewandt.

Ihre Frau hingegen, Michelle Löhner, bekam ihre Operation beim gleichen Operateur etwa anderthalb Jahre später und bei ihr wurde dann bereits die kombinierte Methode angewandt.

Christin sagt von sich, sie ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis und Sex mit Männern funktioniert tadellos. Sie ist Orgasmusfähig und ungefähr 15cm tief. Auch überdurchschnittlich gebaute Männer haben kein großes Problem einzudringen. Bei größeren Penissen ist aber definitiv Gleitmittel notwendig, da sie nicht feucht werden kann und sonst die Reibung zu groß wäre.

Michelle ist ebenfalls sehr zufrieden. Auch sie ist orgasmusfähig und wird bei Penetration sehr feucht.

Zusammenfassend kann man sagen, dass nach Möglichkeit die kombinierte Methode immer zu bevorzugen ist. Allerdings muss man natürlich bedenken, das sie deutlich intensiveres und akribischeres Bougieren erfordert, um die Scheidenweite und -Tiefe zu erhalten.

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