Transphobie und Homophobie in der Politik - Boris Palmer vs. Maike Pfuderer 1
15. Juli 2020 Von Christin Löhner

Transphobie und Homophobie in der Politik – Boris Palmer vs. Maike Pfuderer

Mit der AfD und anderen rechten Parteien und Gruppierungen haben wir schon seit langem zu kämpfen. Sie werden einfach nicht müde, sich um die Pflege ihrer Transphobie (Transfeindlichkeit), Homophobie (Homofeindlichkeit), “Gender Gaga” und damit ihrer überaus rechten, rassistischen und intoleranten Gesinnung zu widmen.

Dass nun aber sogar aus den Reihen der eher links angehauchten Seite der Politik, nämlich aus den Reihen von Bündnis 90/Die Grünen ganz ähnliche Töne, Hetze und Hassreden kommen, wie von AfD und Konsorten, ist neu und um so mehr erschreckend!

Aber von vorne:

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen) fiel schon öfter durch merkwürdige und teilweise sogar Menschen verachtende Aussagen auf. Zuletzt, als er in Bezug auf Corona und die notwendigen Schutzmaßnahmen sagte:

“Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären.”

Damals wurde sein Austritt aus der Partei Bündnis 90/Die Grünen gefordert. Doch offenbar scheint das ungehört verhallt zu sein. Vorgestern hatte seine Menschen verachtende, intolerante und eindeutig Rechte Haltung einen erneuten Höhepunkt:

Der Tübinger OB Boris Palmer hatte am Sonntag seinen umstrittenen FAZ-Gastbeitrag “Entspannt euch!” erneut gepostet. In dem Text aus dem Jahr 2015 hatte er LGBTI-Aktivist*innen aufgerufen, verbal abzurüsten: Man solle nicht sofort den “Vorwurf der Homophobie” auspacken, wenn jemand am Adoptions- oder Ehe-Verbot für Schwule und Lesben festhalte. Statt “Überreaktionen” und “geradezu jakobinischer Verdammnis” empfehle er den “aufgeklärten Diskurs”.

Dies nahm die Stuttgarter LGBTI-Aktivistin und Grünen-Politikerin Maike Pfuderer zum Anlass diesen Text als “alten Käse” zu bezeichnen und hatte entsprechend auf Facebook Kritik geübt. Daraufhin wurde Palmer ausfallend und persönlich. In mehreren Antworten auf ihren Kommentar misgenderte er seine Parteifreundin, outete sie als trans und verwendete ihren Deadname, ihren abgelegten Geburtsnamen.

Transphobie und Homophobie in der Politik - Boris Palmer vs. Maike Pfuderer 2

Dies ist ein Ausschnitt der “Diskussion” auf Palmers Facebook-Seite. Maike Pfuderer selbst teilte Screenshots mit ihrem Deadname in sozialen Medien, um den Angriff des Oberbürgermeisters zu dokumentieren

“Bei einer lesbisch lebenden Frau die Geschlechtszugehörigkeit in Frage zu stellen, ist wohl die übelste Form der Beleidigung”, empörte sich Pfuderer gegenüber queer.de. Mit dem Deadnaming habe Palmer außerdem “in vermutlich herabwürdigender Absicht” gegen Paragraph 5 – Offenbarungsverbot des Transsexuellengesetzes (TSG) verstoßen. Paragraf 5 verbietet die Offenbarung und Ausforschung früherer Vornamen gegen den Willen der betroffenen Person.

Während der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer auf Facebook behauptete, Maike Pfuderer gar nicht zu kennen, erklärte die Aktivistin: “Palmer kennt mich natürlich, letztlich war ich nahezu zehn Jahre Co-Sprecherin der LAG QueerGrün Baden-Württemberg und bin jetzt stellvertretende Sprecherin der grünen BAG Lesbenpolitik.” Beide geraten zudem auf Facebook seit Jahren immer wieder aneinander.  (Quelle: queer.de)

Maike Pfuderer hat nun Strafanzeige gegen Boris Palmer erstattet, wegen Beleidigung und Verstoßes gegen den Paragraph 5 des Transsexuellengesetzes.

Es ist sehr erschreckend und sehr bedenklich, dass ein Oberbürgermeister einer angesehenen, großen Stadt sich zu so etwas herablässt und sich zu solchen Transfeindlichen und Homofeindlichen Attacken hinreissen lässt. Noch viel bedenklicher und erschreckender ist es, wenn dieser Oberbürgermeister keiner rechten Partei wie der AfD angehört, sondern Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen ist!

Müssen wir nun befürchten, dass auch aus den linken Parteien die Queer politischen Gruppierungen angegriffen und “beseitigt” werden?? Oder sollten die Grünen vielleicht doch so aufrecht sein, diesen rechten Schandfleck mit Namen Boris Palmer aus ihren Reihen zu entfernen?

Man darf gespannt sein….

Maike Pfuderer hat jedenfalls unsere ganze Solidarität als bundesweite Organisation für Selbsthilfe und Peerberatung und wir stehen geschlossen hinter ihr und unterstützen sie! 

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